• 21.09.2016

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    Erntezeit – Wem gehört das Obst am Baum?

    Darf man den Apfel am Wegesrand pflücken?

    Herrenloses Obst am Wegesrand

    Geht man dieser Tage spazieren, sieht man häufig am Wegesrand Apfelbäume die zahlreiche Früchte tragen. Das verlockt zum Zugreifen! Doch ist das erlaubt? Wir sind dieser juristischen Frage nachgegangen.

    Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass auch scheinbar „herrenlose“ Apfel-, Birnen- oder Nussbäume jemandem gehören. Es also einen Eigentümer – dies ist meist der Eigentümer des Grundstücks – gibt, der erst um Erlaubnis gefragt werden muss, bevor man sich bedient. Tut man dies nicht, ist das Pflücken eines Apfels Diebstahl nach § 242 Strafgesetzbuch (StGB). Allerdings würde dieser Diebstahl einer geringwertigen Sache nur auf Antrag (in diesem Fall eine Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft) verfolgt werden. Gegenstände, bis zu einem Wert von 50 Euro, sind aus juristischer Sicht eine geringwertige Sache. Früher gab es im Strafgesetzbuch für diese Art des Erntediebstahls den Paragrafen „Mundraub“.

    Im Zeitalter des Internets gibt es mittlerweile eine Plattform „Mundraub", auf der Sträucher und Bäume registriert werden können, an denen man sich – laut Betreiber – frei bedienen kann bzw. darf. Es handelt sich um eine Community, deren Beiträge stetig ergänzt werden und zusätzliche Tipps online gestellt werden. Beispielsweise wie man Obst richtig pflückt, wie man einen Baum besteigt, ohne ihn zu verletzen oder Rezeptideen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, holt sich lieber direkt vom Eigentümer die Pflückerlaubnis. Stehen Bäume am Straßenrand, gehören diese sicherlich der Gemeinde oder dem Land. Bäume, die auf einem eingezäunten Grundstück stehen, sollten auf keinen Fall ohne vorherige Erlaubnis abgeerntet werden. Hier begeht der „Erntehelfer“ nicht nur Diebstahl, sondern erfüllt auch den Tatbestand des Hausfriedensbruchs.

    Und was ist mit dem Obst in Nachbars' Garten?
    Reichen Obstbäume vom Nachbarn auf das eigene Grundstück hinüber, so darf sich ebenfalls nicht nach Herzenslust bedient werden. Es ist zu unterscheiden: Hängen die Früchte noch am Baum, bedarf es einer vorherigen Ernteerlaubnis durch den Eigentümer. Die Früchte dürfen nicht einfach gepflückt werden. Sind die Früchte auf das eigene Grundstück hinübergefallen, dürfen die Früchte ohne Erlaubnis konsumiert werden. Allerdings darf nicht nachgeholfen werden, z.B. durch Schütteln des Baumes. Bevor es zu Streitigkeiten zwischen den Parteien kommt, sollte die Obsternte vorab in einem persönlichen Gespräch geklärt werden. Unter Umständen ist der Eigentümer des Obstbaumes froh, wenn er bei der Ernte unterstützt wird.