• 16.09.2015

    Zur Übersicht

    Nicht angetroffen

    Dem Nachbarn ausgeliefert

    Der Online- und Versandhandel legte laut Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. im ersten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahr insgesamt um gut 8 Prozent zu. Was bestellt wird, muss auch geliefert werden. Am liebsten stellen die Paketdienstleister die Sendung im ersten Anlauf zu. Deshalb werden Paketsendungen gerne auch beim Nachbarn abgegeben, wenn der Empfänger nicht erreichbar ist. Aber wie ist die Rechtslage?

    Das bestellte Smartphone lässt auf sich warten, das langersehnte Kleid kommt nicht an. Die Recherche bei der Sendungsnachverfolgung ergibt: Abgegeben beim Nachbarn. Doch nicht immer lässt sich ermitteln, bei welchem. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler Paketdienstleister sehen vor, dass die Sendungen auch bei einem Nachbarn abgegeben werden dürfen. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln (Az.: 6 U 165/10) sind derartige Klauseln jedoch zum Teil unwirksam und die Bezeichnung „Nachbar“ nicht eindeutig klar definiert.

    Deshalb entschieden die Richter auch: Die Benachrichtigungskarte ist Pflicht und muss leserlich geschrieben sein. Geht die Sendung verloren, ohne dass der Paketzusteller eine Benachrichtigung nachweisen kann, haftet er bis zum Höchstbetrag, das sind in der Regel mindestens 500 Euro. Höherwertige Sendungen können meist auch extra versichert werden. Doch für den Sendungsempfänger ist es als Dritter schwierig, gegen die Klauseln und Bedingungen im Einzelnen vorzugehen, da Vertragspartner für den Versand meist der Händler und Paketzusteller sind.

    Wer keine Zustellung an den Nachbarn möchte, muss dies entweder bei der Bestellung vermerken (hierfür gibt es häufig ein Kommentarfeld auf dem Online-Bestellformular) oder sich die Sendung an eine Packstation liefern lassen. Einige Paketdienstleister bieten auch die Möglichkeit, einen Nachbarn namentlich zu benennen, der Sendungen für den Empfänger annehmen darf.

    Wer leistet bei Beschädigung oder Verlust?

    Das kommt darauf an. Handelt es sich um eine private Sendung, geht das Risiko, dass das Paket – auch beim Nachbarn – beschädigt wird oder verloren geht, mit der Übergabe an den Paketdienstleister auf den Empfänger über.

    Wurde dagegen die Ware durch einen Händler im Rahmen eines Kaufvertrages versendet, erfolgt der Gefahrübergang erst dann, wenn der private Käufer die Ware erhalten hat. Geht also die Sendung beim Nachbarn verloren oder wird sie dort beschädigt, wurde der Kaufvertrag nicht erfüllt. Der Händler kann eventuell Haftungsansprüche gegen den Paketdienstleister geltend machen, der Empfänger bzw. Käufer vom Verkäufer/Händler die Erstattung des Kaufpreises verlangen.

    Alternative Garagenvertrag

    Hier wird zwischen Paketzusteller und Empfänger vereinbart, dass die Sendungen an einem vereinbarten Ort, eben in der Garage oder auf der Terrasse, wenn zugänglich, abgelegt werden darf. Nicht zulässig ist allerdings, dass eine Sendung einfach vor die Haustüre gelegt wird. Macht es der Zusteller trotzdem und kommt die Sendung abhanden, muss der Händler den Kaufpreis zurückerstatten oder die Ware noch einmal liefern.

    Entdecken Sie die Leistungen unserer privaten Haftlichtversicherung

    Mit Hilfe des Tarifrechners zur Privathaftpflicht lassen sich die Tarife für Ihre individuelle Situation gleich online und ganz unverbindlich kalkulieren.