• Unfallversicherung: Gesetzlich versus Privat

    Gebrochenes Bein nach einem FußballspielUnfallrisiken beim Hausputz

    Bei der Unfallversicherung unterscheidet man zwischen zwei Arten: Der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV) und der privaten Unfallversicherung (PUV). Die GUV ist eine Pflichtversicherung für alle Berufstätige und bildet einen Zweig in der Sozialversicherung. Sie wird primär von den Berufsgenossenschaften und den Gemeindeverbänden getragen. Die private Unfallversicherung hingegen ist freiwillig und wird komplett von den privaten Versicherungen getragen.

    Die gesetzliche Unfallversicherung

    Die Aufgabe der gesetzlichen Unfallversicherung besteht darin, den Lebensstandard des Versicherungsnehmers nach einem Unfall zu sichern. Einkommensverluste und Einbußen bei der Lebensqualität sollen gemindert werden. Sie ist elementar für die eigene Existenz. Unfälle können zu jederzeit passieren und das schließt natürlich auch die Arbeitsstätte ein. Die GUV deckt neben Unfällen unmittelbar am Arbeitsplatz auch die Wegeunfälle ab; zudem schließt sie in ihrem Versicherungsschutz auch Berufskrankheiten ein. Die Berufskrankheiten kann man in einem Katalog der Berufsgenossenschaft Online nachlesen. Der Geltungsbereich der gesetzlichen Unfallversicherung beschränkt sich auf die Bunderepublik Deutschland einschließlich berufsbedingter Auslandsaufenthalte. 

    Durch die gesetzliche Unfallversicherung werden Arbeitnehmer und Unternehmer als Pflichtversicherte geschützt. Ebenfalls unter den Schutz fallen Kinder, Schüler und Studenten während des Aufenthaltes in Kindergärten bzw. (Hoch-)Schulen, sowie während der An- und Abreise zur entsprechenden Einrichtung. Zudem dient diese Art der Sozialversicherung Hilfeleistenden während eines Einsatzes. Als nicht Pflichtversicherter Unternehmer, Selbstständiger oder Freiberufler kann man sich freiwillig in der GUV versichern. 

    Welche Leistungen zahlt die gesetzliche Unfallversicherung wirklich?

    Die GUV übernimmt die Zahlung von Leistungen, die nach einem Unfallereignis, oder einem anderen versicherten Ereignis notwendig sind.  Hierzu zählen Heilbehandlungen, Rehabilitations- und Kurmaßnahmen sowie die Leistungen die im Rahmen einer Reha-Maßnahme anfallen. Auch Umschulungen können unter Umständen dazu gehören, falls der/die Verunfallte seinen Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Bei einer Minderung der eigenen Erwerbsfähigkeit um mindestens 20% erfolgt außerdem die Zahlung einer Verletztenrente durch die gesetzliche Unfallversicherung.
    Im Falle eines Unfalltodes steht den Hinterbliebenen eine Rente und Sterbegeld zu, um finanzielle Engpässe abzusichern.

    Welchen Beitrag zahlt man für die gesetzliche Unfallversicherung? 

    Wie bei allen Sozialversicherungen üblich, zahlt der Versicherte einen vom Gehalt abhängigen Beitrag für die gesetzliche Unfallversicherung. 

    Die private Unfallversicherung

    Die private Unfallversicherung ist nicht per Gesetz verpflichtend vorgeschrieben, jedoch wird der Abschluss empfohlen. Unfälle sind unvorhersehbar und treten zu beliebigen Zeitpunkten auf. Sie können einen finanziell in den Ruin treiben. Sollte beispielsweise nach einem Unfall eine dauerhafte Beeinträchtigung zurück bleiben und es besteht die Notwendigkeit, das eigene Haus behindertengerecht umbauen zu müssen. Dabei können hohe Kosten auf Sie zu kommen.

    Deswegen ist es wichtig im Vorfeld eine passende Versicherungssumme festzulegen. Ein Ansatz für die Berechnung der idealen Invaliditätssumme für den Hauptverdiener in der Familie ist, dass man sich am einfachsten am Alter und dem Verdienst der zu versichernden Person orientiert. Zum Beispiel: bei einem Mann mit einem Alter von etwa 30 Jahren sollte die Versicherungssumme etwa das Sechsfache des Jahresbruttolohnes umfassen, bei einem 40-jährigen etwa das Fünffache. Die Summe verringert sich, weil man bei steigendem Alter von einem steigenden Verdienst ausgeht. Der Geltungsbereich der privaten Unfallversicherung erstreckt sich im Gegensatz zur gesetzlichen Unfallversicherung nicht auf bestimmte Orte oder Tätigkeiten, sondern sie gilt 24 Stunden täglich und im Gegensatz zur GUV auch weltweit. 

    Die private Unfallversicherung enthält zahlreiche Leistungen. Das zentrale Element ist und bleibt die Invaliditätsleistung. Um hier die Höhe der Versicherungsleistung nach einem Unfall zu berechnen, wird eine sogenannte „Gliedertaxe“ (Link zur Infoseite „Gliedertaxen“) hinzugezogen. Sie dient der Messung des jeweiligen Invaliditätsgrades.
    Darüber hinaus erhält ein Versicherungsnehmer zu gegebenem Anlass Anspruch auf folgende Leistungen, sofern diese im Vertrag vereinbart sind:

    • Übergangsleistungen bei unfallbedingten Beeinträchtigungen, die nach Ablauf sechs Monaten seit dem Unfall immer noch bestehen. Die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit muss mehr als 50% betragen und seit dem Unfall ununterbrochen bestehen. 
    • Krankenhaustagegeld, je nach vereinbarter Höhe
    • Genesungsgeld, je nach vereinbarter Höhe
    • Tagegeld bei Arbeitsunfähigkeit als Unfallfolge
    • Todesfallleistungen als Folge eines Unfalles, entweder sofort oder innerhalb von 6 Monaten nach dem Unfall an den Folgen
    • Kosmetische Operationen
    • Bergungskosten bis zur vereinbarten Versicherungssumme
    • Kurkostenbeihilfe

    Wie hoch ist die Versicherungssumme?

    Bei der privaten Unfallversicherung handelt es sich um eine sogenannte Summenversicherung. Das heißt die Leistung oder Zahlung in einem Schadenfall beläuft sich auf die vertraglich vereinbarten Summen, die nach den tariflichen Vorgaben des Versicherers ausgerichtet werden kann. Um dem Ziel der Unfallversicherung der Existenz Sicherung nachzukommen, sollte insbesondere bei der Invalidität eine hohe Versicherungssumme vereinbart werden. Heutzutage findet man in der Regel Unfallversicherungen mit einer sogenannten Progressionsstaffel. Der Vorteil der Progression ist es, dass es bei einer hohen Invalidität oder im schlimmsten Fall der Vollinvalidät eine weitaus höhere Summe ausgezahlt wird als vereinbarte Grundsumme. Die meisten Progessionsstufen greifen ab einem Invaliditätsgrad von über 25%.

    Wie berechnet sich der Versicherungsbeitrag? 

    Grundsätzlich hängt der Beitrag vom Versicherer, der Tarifwahl und dem gewünschten Leistungsumfang der Versicherung ab. Zudem ist die berufliche Tätigkeit der versicherten Person wichtig für den Beitrag. Im Bereich der privaten Unfallversicherung werden die Versicherungsnehmer in zwei mögliche Gefahrengruppen zugeteilt, die sich nach ihren Beruf richten: Zur Gruppe A zählen Personen mit kaufmännischen oder verwaltenden Tätigkeiten im Innen- und Außendienst, sowie alle weiblichen Personen. Zu Gruppe B zählen Personen mit körperlicher oder handwerklicher Tätigkeit, auch wenn diese nur gelegentlich erfolgt. Bei der Gefahrengruppe B kommt es aufgrund des höheren Unfallrisikos zu einem höheren Beitrag. Übrigens: Ihren persönlichen Tarif kalkulieren Sie einfach und unverbindlich mit unserem Versicherungsrechner zur privaten Unfallversicherung.

    Welche Pflichten habe ich als Versicherter? 

    Damit Ihnen der Versicherungsschutz gewährt werden kann, müssen Sie ein paar Verhaltensweisen beachten. Zum einen muss ein Unfall unverzüglich gemeldet werden. Um Unfallfolgen zu mindern, müssen Sie zudem einen Arzt aufsuchen. Auf die Anordnung der Versicherung hin, müssen Sie sich untersuchen lassen und ihren konsultierten Arzt von seiner Schweigepflicht entbinden. Bei einem Unfall mit Todesfolge muss die Information innerhalb von 48 Stunden bei der Versicherung eingehen. 

    Zum Schluss: Auch der Versicherer hat Pflichten 

    Nach Erhalt ihrer ausgefüllten Schadenmeldung, muss die Versicherung innerhalb eines Monats entscheiden, ob ein versicherter Unfall vorliegt und sie zur Zahlung der vereinbarten Versicherungsleistungen verpflichtet ist. Bei einem Fall von Invalidität muss diese Entscheidung in einem Zeitraum von drei Monaten gefällt werden. Die Zahlung der Leistungen muss im Anschluss dann innerhalb von 14 Tagen erfolgen.